Haltungsbericht Blatta lateralis Schokoschabe | skorpione.eu

Haltungsbericht: Blatta lateralis (Schokoschabe)

Die Schokoschabe, wissenschaftlich Blatta lateralis (Saussure, 1874) (in der Fachliteratur auch häufig als Shelfordella tartara geführt), gilt in der Terraristik als hochinteressantes Futtertier. Ihren Trivialnamen verdankt sie der markanten Färbung der adulten Weibchen. Da sie zu den kleinwüchsigen Schaben gehört und keine glatten Flächen oder Glaswände erklimmen kann, bietet sie im Vergleich zu Heimchen oder Fliegenden Insekten ein extrem sicheres Handling im Terrarienzimmer.

Systematik

  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Schaben (Blattaria)
  • Familie: Blattinae
  • Gattung: Blatta
  • Art: Blatta lateralis (Saussure, 1874)

Herkunft und Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Blatta lateralis liegt in den ariden bis semi-ariden Gebieten des Mittleren Ostens und Zentralasiens. Sie kommt primär in Afghanistan, Armenien, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan vor.

Aufgrund ihrer enormen Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Klimabedingungen wurde sie in den 1970er und 1980er Jahren – vor allem durch militärische Materialrücktransporte – verschleppt und hat mittlerweile auch stabile Wildpopulationen in den USA (Kalifornien, Texas und Arizona) gebildet.

Merkmale und Sexualdimorphismus

Blatta lateralis ist eine kleinwüchsige Art, deren Gesamtlänge 28 mm im Regelfall nicht überschreitet; lediglich in Ausnahmefällen erreichen manche Männchen bis zu 30 mm. Die Geschlechter weisen einen extremen optischen Unterschied auf:

  • Die Männchen (♂): Erscheinen in einem leuchtenden Rot-Ton. Sie besitzen voll ausgebildete Flügel, die den Körper am Hinterleib um einige Millimeter überragen. Trotz der Flügel können auch bei Wärme keine echten Flugaktivitäten beobachtet werden.
  • Die Weibchen (♀): Bleiben etwas kleiner und sind flügellos (bzw. besitzen keine sichtbaren Flügel). Sie fallen durch einen dunklen, kräftigen Rotbraun- bis Dunkelrot-Ton auf und zeigen auf der Oberseite (dorsal/apikal) eine dunkle, ins Schwarze gehende Musterung.
  • Jungtiere (Nymphen): Sind anfangs einheitlich rot bis hellbraun gefärbt. Bei den Jungtieren lässt sich rein optisch noch kein Geschlechtsunterschied ausmachen; die Farben dunkeln erst von Häutung zu Häutung progressiv in den Sexualdimorphismus nach.

Haltung und Haltung als Vorrat

Da die Schokoschabe eine sehr zurückgezogene und lichtscheue Lebensweise führt, empfiehlt sich die Unterbringung in dunklen Kunststoffbehältern, die lediglich mit einem durchsichtigen Deckel zur Kontrolle versehen sind.

  • Bodengrund: Für die reine Vorratshaltung oder Zucht ist kein Bodengrund notwendig. Die Tiere können perfekt auf einem trockenen „Futtersubstrat“ gehalten werden.
  • Einrichtung: Um der versteckten Lebensweise gerecht zu werden, müssen den Tieren ausreichend Eierkartons zur Verfügung gestellt werden. Diese werden tagsüber eng besetzt von unten bewohnt. Erst nachts schwärmen die Tiere im Behälter aus, um Nahrung zu suchen.
  • Belüftung: Der Behälter muss absolut ausbruchsicher und dicht sein (obwohl sie keine glatten Wände hochlaufen können). Eine gute Frischluftzirkulation im Deckelbereich ist wichtig, um Feuchtigkeitsstau zu vermeiden.

Klima (Temperatur & Feuchtigkeit)

  • Temperatur: Bei angenehmen und warmen 30 °C wachsen die Tiere sehr schnell heran.
  • Wasser & Feuchtigkeit: Eine offene Wasserstelle oder Wasserschale darf nicht angeboten werden, da Schokoschaben darin extrem leicht ertrinken. Die Tiere decken ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf ausschließlich über das angebotene Feuchtfutter.

Ernährung und Futter-Qualität

Schokoschaben sind gierige Allesfresser. Da die Nährwerte der Schabe eins zu eins an den späteren Jäger (z. B. deinen Skorpion) weitergegeben werden, ist eine abwechslungsreiche und hochwertige Ernährung der Futtertiere das A und O.

  • Trockenfutter (Ständige Basis): Haferflocken, Fischflocken, trockenes Hunde- oder Katzenfutter sowie Brot zur Deckung des Grundbedarfs.
  • Feuchtfutter (2x pro Woche): Frische Gemüse- und Obstabfälle wie Karotten, Tomaten, Bananen, Äpfel oder Birnen. Auch Reste aus der Küche wie gekochte Kartoffeln, Nudeln, Spätzle oder Reis werden dankend abgenommen.
  • Wichtig: Alle Obst- und Gemüsereste müssen vor dem Verfüttern gründlich und ordentlich gewaschen werden, um eine Übertragung von Pestiziden auf die Schaben (und letztendlich auf die Terrarientiere) strikt zu vermeiden. Die Feuchtfutteranteile sollten zudem immer so gering gehalten werden, dass sie über Nacht restlos gefressen werden – das beugt Schimmelbildung und Milbenbefall effektiv vor.

Lebenszyklus und Vermehrung

Blatta lateralis ist nicht lebendgebärend. Die Weibchen produzieren sogenannte Ootheken (Eipakete), die mit einem sehr festen und starken Mantel ausgestattet sind. Dieser Mantel schützt die darin reifenden Larven zuverlässig vor Dehydrierung, aber auch vor zu großer Feuchtigkeit.

  • Schlupfzeit: Je nach den Haltungsbedingungen (Feuchtigkeit und Temperatur sind hier die ausschlaggebenden Faktoren) schlüpfen die Jungtiere nach 30 bis 150 Tagen.
  • Wurfgröße: Aus einer Oothek schlüpfen meist 20 bis 30 Jungtiere.
  • Entwicklungsdauer: Bei optimalen 30 °C entwickeln sich die Nymphen rasant und können nach ca. 3 Monaten bereits adult sein (im Durchschnitt sollte man mit ca. 4 Monaten rechnen).
  • Lebenserwartung: Die durchschnittliche Lebensspanne beträgt etwa 12 Monate. In Ausnahmefällen können weibliche Exemplare ein Alter von bis zu 18 Monaten erreichen.

Wichtige Praxistipps für den Terrarianer

⚠️ Achtung Ungeziefergefahr: Blatta lateralis gilt als potenzielles Hausungeziefer! Da sie sich im Gegensatz zu tropischen Arten (wie Blaptica dubia) auch innerhalb einer normalen Wohnung bei Raumtemperatur erfolgreich vermehren können, ist beim Hantieren absolute Vorsicht geboten, um ein Entweichen im Wohnraum strikt zu vermeiden.

💡 Profi-Tipp zur Verfütterung: Es empfiehlt sich, nach Möglichkeit ausschließlich die adulten Männchen zu verfüttern. Wenn adulte Weibchen konsequent im Zuchtansatz belassen werden, schwächt man die eigene Nachzuchtrate nicht. Zudem minimiert man das Risiko, dass im Terrarium des Skorpions durch ein entkommenes Weibchen ungewollte Jungschaben schlüpfen. Jungtiere können je nach benötigter Größe (Fresshaut des Skorpions) querbeet verfüttert werden.

Die hier aufgeführten Informationen basieren auf langjährigen Erfahrungswerten sowie sorgfältiger Recherche und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da jedes Tier und jede Haltung individuell ist, dienen diese Inhalte als Orientierungshilfe. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann jedoch nicht übernommen werden. Die Umsetzung der Tipps erfolgt stets in Eigenverantwortung des Halters.

Mein Dank geht an "Schattenjaeger_01" der mir seinen erstellten Haltungsbericht zur Verfügung gestellt hat.

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