Pandinoides sp. (ex Pandinus) Haltung | skorpione.eu

Allgemeiner Haltungsbericht: Gattung Pandinoides Fet, 1997 (ex Pandinus)

Wer sich für einen Vertreter der Gattung Pandinoides entscheidet – allen voran der bekannte Tansania-Rotklauenskorpion (Pandinoides cavimanus) – holt sich einen massiven, wehrhaften und optisch extrem ansprechenden Skorpion ins Terrarium. Viele Jahre lang wurden diese Tiere unter der bekannten Gattung Pandinus (Kaiserskorpione) geführt. Diese veraltete Zuordnung führt bis heute leider oft zu gravierenden Haltungsfehlern, da Pandinoides aus den trockeneren Savannen Ostafrikas stammt und nicht in einem feuchten Regenwald-Setup gepflegt werden darf!

Die taxonomische Zeitschiene: Von Pandinus zu Pandinoides

Die Aufspaltung der einst riesigen Gattung Pandinus ist eines der spannendsten Kapitel in der systematischen Skorpionsforschung. Hier ist der geschichtliche Ablauf, wie aus dem ostafrikanischen Pandinus der heutige Pandinoides wurde:

  • 1876 (Die Ursprünge): Der schwedische Arachnologe Tamerlan Thorell stellt die Gattung Pandinus auf. Über 100 Jahre lang landeten fast alle großen, afrikanischen Skorpione mit dicken Scherenhänden in dieser Sammel-Gattung.
  • 1974 (Die ersten Unterteilungen): Der französische Forscher Max Vachon erkannte tiefgreifende anatomische Unterschiede (vor allem in der Anordnung der Trichobothrien/Sinneshaare) und teilte Pandinus in fünf Untergattungen auf – darunter auch die Untergattung Pandinoides für die ostafrikanischen Vertreter.
  • 1997 (Die formelle Validierung): Da Vachon 1974 versäumt hatte, nach den strengen internationalen Regeln der Nomenklatur formelle Typusarten festzulegen, waren seine Namen eigentlich ungültig. Der Forscher Victor Fet holte dies 1997 nach und validierte Pandinoides als Untergattung wissenschaftlich korrekt (daher der Autorenname "Fet, 1997"). Die Tiere hießen damals z. B. Pandinus (Pandinoides) cavimanus.
  • 2015 – 2017 (Die finale Erhebung): Durch moderne Forschungen von Andrea Rossi (2015) und umfangreiche Revisionen von František Kovařík et al. (ab 2016) wurde endgültig klargestellt, dass die Unterschiede genetisch und morphologisch so gewaltig sind, dass die alten Untergattungen den Status vollwertiger, eigenständiger Gattungen erhalten müssen. Aus Pandinus cavimanus wurde somit offiziell Pandinoides cavimanus.

Herkunft und natürlicher Lebensraum

Im absoluten Gegensatz zu den echten Pandinus-Arten, die die schwülen Regenwälder Westafrikas bewohnen, ist die Gattung Pandinoides im östlichen Afrika beheimatet (unter anderem in Tansania, Kenia, Somalia und Mosambik).

Dort bewohnen sie deutlich trockenere Habitate: Baumsavannen, trockene Dornwälder, Halbwüsten und lichte Steppen. Sie sind extrem grabfreudig und heben tiefe, oft spiralförmige Wohnröhren unter großen Steinen, Wurzeln oder umgestürzten Akazienbäumen aus. Dort entgehen sie der heißen Mittagssonne Ostafrikas und lauern auf Beute.

Merkmale und Erscheinungsbild

  • Größe und Statur: Es sind sehr massive, stämmig gebaute Skorpione. Sie erreichen Gesamtlängen von 10 bis 14 cm.
  • Die Scheren (Das Namensmerkmal): Die Pedipalpen (Scherenhände) sind gewaltig. Der bekannteste Vertreter, Pandinoides cavimanus, verdankt seinen Namen (cavus = hohl, manus = Hand) einer Besonderheit der Männchen: Die unbeweglichen Scherenfinger der adulten Männchen weisen eine deutliche, kraterartige Einbuchtung (Kavität) auf.
  • Färbung: Die Grundfärbung ist meist ein dunkles Braun bis Schwarz-Braun. Die Scherenhände und oft auch das Telson (Giftblase) leuchten hingegen in einem intensiven Rot-Braun bis Kastanienrot.

Haltung im Terrarium

Das Savannen-Setup (Feucht-Trocken-Gefälle)

Achtung: Dies ist kein Tier für ein tropisches Regenwaldterrarium! Das Terrarium muss eine trockene afrikanische Savanne mit tieferen, leicht feuchten Rückzugsorten simulieren.

  • Terrariengröße: Für ein adultes Einzeltier ist ein Terrarium mit den Maßen 60 x 30 x 30 cm erforderlich.
  • Bodengrund: Die Tiere sind leidenschaftliche Gräber. Der Bodengrund muss mindestens 10 bis 15 cm hoch eingefüllt werden. Ideal ist ein absolut grabfähiges und trittfestes Erd-Sand-Lehm-Gemisch. Wichtig: Verwende niemals reinen Kokoshumus, Kokosfasern oder feuchte Blumenerde! Solche feuchten Substrate führen bei dieser Savannenart unweigerlich zu tödlichen Pilzinfektionen (Mykosen) am Bauchpanzer.
  • Einrichtung: Die Oberfläche kann mit trockenen Savannenhölzern, Rindenstücken, flachen Steinen und trockenem Laub strukturiert werden. Die Verstecke müssen zwingend auf der Bodenplatte aufliegen, damit sie beim Untergraben nicht den Skorpion erdrücken.

Klima (Temperatur und Luftfeuchtigkeit)

  • Temperatur: Ostafrika ist heiß. Tagsüber sind Temperaturen von 26 °C bis 30 °C ideal. Ein lokaler Wärmespot darf die Oberfläche gerne auf 32 °C erwärmen. Nachts muss die Temperatur auf ca. 20 °C bis 22 °C absinken.
  • Luftfeuchtigkeit: Die Grundfeuchtigkeit im Terrarium bleibt mit 50–60 % rF moderat. Das Geheimnis liegt im Bodengrund: Die oberste Schicht darf abtrocknen, aber in der Tiefe der gegrabenen Höhlen muss eine leichte Restfeuchte bestehen. Ein Überbrausen einer Terrarienhälfte alle 1 bis 2 Wochen reicht völlig aus. Eine flache, saubere Trinkschale muss stets vorhanden sein.

Verhalten und Gruppenhaltung

  • Temperament: Im Gegensatz zum meist phlegmatischen Kaiserskorpion (Pandinus imperator) ist Pandinoides deutlich nervöser, wehrhafter und aggressiver. Bei Störung nehmen sie sofort eine eindrucksvolle Drohhaltung ein und schnappen mit ihren gewaltigen Scheren zu.
  • Vergesellschaftung: Wegen der deutlich erhöhten innerartlichen Aggressivität raten wir bei der Gattung Pandinoides eindringlich zur Einzelhaltung. Die Gruppenhaltung endet hier, besonders bei Nahrungsmangel oder Häutungen, sehr oft mit Kannibalismus.
  • Ernährung: Als Futter eignen sich kräftige Futterinsekten wie adulte Wüstenheuschrecken, große Schaben (z. B. Blaptica dubia) oder große Grillen. Gefüttert wird bei adulten Tieren alle 10 bis 14 Tage.

Giftigkeit

Als Vertreter der Familie Scorpionidae verfügt die Gattung Pandinoides über ein sehr schwaches Gift, das für gesunde Erwachsene als ungefährlich eingestuft wird (vergleichbar mit einem Bienenstich). Der Fokus bei der Verteidigung liegt fast ausschließlich auf den massiven Scherenhänden, die extrem kraftvoll zukneifen und schmerzhafte Quetschungen bis hin zu blutigen Wunden verursachen können. Ein Hantieren mit bloßen Händen ist unprofessionell und strikt zu unterlassen. Arbeiten im Terrarium erfolgen stets mit einer ausreichend langen Pinzette.

Die hier aufgeführten Informationen basieren auf langjährigen Erfahrungswerten sowie sorgfältiger Recherche und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da jedes Tier und jede Haltung individuell ist, dienen diese Inhalte als Orientierungshilfe. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann jedoch nicht übernommen werden. Die Umsetzung der Tipps erfolgt stets in Eigenverantwortung des Halters.

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