Parabuthus villosus oranje Haltung | skorpione.eu

Haltungsbericht: Parabuthus villosus (Oranje Morph)

Mit Parabuthus villosus (Peters, 1862) pflegst du einen der größten und imposantesten Vertreter der Familie Buthidae. Eine absolute Besonderheit in der Terraristik ist die Lokalform „Oranje Morph“. Während die Art typischerweise sehr dunkel bis schwarz gefärbt ist, besticht dieser Morph durch einen faszinierenden Farbkontrast. Aufgrund der enormen Größe, der Tagaktivität und des hochpotenten Giftes ist dies ein Tier, das ausschließlich in die Hände erfahrener Profis gehört.

Herkunft und natürlicher Lebensraum

Die Art Parabuthus villosus stammt aus dem südlichen Afrika.

  • Der sogenannte „Oranje Morph“ kommt endemisch in Namibia vor.
  • Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich dort auf ein kleines, spezifisches Areal am Oranje River (Oranjemund).
  • Sie besiedeln felsige bis steinige Landschaften und meiden offenes Gelände.
  • Der natürliche Bodengrund besteht aus einer harten Mischung aus Sand, Kies und lehmhaltigem Substrat.
  • Dort graben die Tiere Wohnhöhlen unter Steinen, die mehrere Meter Länge erreichen können.

Merkmale und Erscheinungsbild

  • Größe: Es handelt sich um sehr große Skorpione, die in der freien Natur bis zu 18 cm erreichen können. In der Terrarienhaltung bleiben sie meist etwas kleiner.
  • Färbung (Oranje Morph): Der Körper ist rotbraun gefärbt. Die Beine sowie die Scherenhände (Pedipalpen) leuchten in einem markanten orangenen Farbton.
  • Behaarung: Passend zu ihrem wissenschaftlichen Namen (villosus = behaart) weisen die Tiere am ganzen Körper eine starke Behaarung auf.
  • Geschlechtsunterschiede: Die Männchen sind deutlich kleiner und vom Körperbau her schlanker als die Weibchen. Weibchen lassen sich zudem an einer lappenförmigen proximalen medianen Lamelle erkennen, welche den Männchen fehlt.

Haltung im Terrarium

Das Setup (Semiarides Wüstenterrarium)

Ein horizontales, trockenes Steppen- oder Halbwüstenterrarium simuliert das natürliche Habitat in Namibia am besten.

  • Terrariengröße: Für die paarweise Haltung (1.1) von adulten Tieren wird als Mindestmaß ein Terrarium von 60 x 30 x 30 cm empfohlen.
  • Bodengrund: Ein grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch ist für den Höhlenbau unerlässlich.
  • Einrichtung: Das Terrarium sollte großzügig mit Steinen und Rindenstücken strukturiert werden. Zur optischen Aufwertung und Simulation des Habitats können Pflanzen wie Tillandsien, Sternsukkulenten, Kakteen oder widerstandsfähiges Gras eingebracht werden.

Klima (Temperatur & Feuchtigkeit)

  • Temperatur (Tag): Am Tag sollten Temperaturen von etwa 30 °C herrschen. Ein lokaler Sonnenplatz (z.B. ein angestrahlter Stein) darf punktuell bis zu 40 °C erreichen.
  • Temperatur (Nacht): Nachts erfolgt eine Absenkung auf 20 °C bis 25 °C.
  • Luftfeuchtigkeit: Aufgrund der Nähe zum Flussufer wird eine semiaride Haltung bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von bis zu 50 % empfohlen.
  • Winterruhe: In der Natur fallen die Temperaturen ab November. Im Terrarium kann eine Winterruhe simuliert werden, indem man die Beleuchtungsdauer auf 80 % reduziert und die Temperatur um etwa 4 °C absenkt. Die Tiere verschließen dann oft ihre Höhle und nehmen keine Nahrung mehr auf, bis sie im Frühjahr (z. B. April) wieder aktiv werden.

Verhalten, Fütterung und Nachzucht

Besonderheiten im Verhalten

  • Tagaktivität & Jagd: Während Jungtiere meist sehr scheu sind und flüchten, zeigen sich besonders adulte Weibchen häufig tagaktiv. Eine große Besonderheit der Art ist zudem, dass sie nicht nur lauern, sondern aktiv auf Beutejagd gehen.
  • Temperament: Männchen sind meist gelassener und ergreifen bei Störung eher die Flucht. Weibchen hingegen sind extrem wehrhaft, gehen nach vorn und setzen kompromisslos ihren Stachel ein.
  • Störungsempfindlichkeit: Die Tiere reagieren sehr sensibel auf Störungen im Versteck. Werden sie aufgeschreckt, können sie tagelang unruhig umherlaufen. Bei trächtigen Weibchen kann Stress sogar zu einer Fehlgeburt führen, bei der die ungeborenen Nymphen abgedrückt werden.

Ernährung

Als Futtertiere werden Insekten in entsprechender Größe sehr gut angenommen. Dazu zählen Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken und Mehlwürmer. Für jüngere Skorpione haben sich besonders Argentinische Waldschaben (Blaptica dubia) bewährt.

Verpaarung und Aufzucht der Jungtiere

  • Paarung: Die Verpaarung ist meist unkompliziert. Beide Tiere sollten zuvor gut angefüttert werden. Der oft heftige Paarungstanz (inklusive Paarungsstich) kann Stunden dauern, wobei das Männchen das Weibchen an den Scheren zieht. Nach etwa 12 Monaten Tragzeit bringt das Weibchen 60 bis 120 Jungtiere zur Welt.
  • Aufzucht-Klima: Jungtiere (NZ) müssen deutlich kühler gehalten werden als adulte Tiere, idealerweise bei 26 °C bis 29 °C. Zu hohe Temperaturen führen bei Nymphen rasch zur Dehydration und zum Tod.
  • Aufzucht-Feuchtigkeit: Nymphen benötigen besonders vor und nach der Häutung eine höhere Luftfeuchtigkeit. Das Substrat in den Aufzuchtdosen muss wöchentlich befeuchtet werden, Staunässe ist jedoch strikt zu vermeiden. Ist es zu trocken, verenden die Tiere in ihrer alten Haut (Exuvie).
  • Haltung der Nymphen: Sie benötigen zwingend etwas Bodengrund und Rinde als Versteck. Da starker Häutungskannibalismus besteht, wird von einer Gruppenaufzucht dringend abgeraten. Tipp: Die Tiere häuten sich auf dem Rücken liegend.

🔴 GEFAHRENHINWEIS (POTENZIELL TÖDLICH)

  • Toxizität: Parabuthus villosus verfügt über ein extrem potentes Gift (LD50-Wert von 5,75 mg/kg). Ein Stich kann lebensbedrohlich sein, insbesondere für Kinder, ältere Menschen und Allergiker, für die bereits Todesfälle nachgewiesen wurden.
  • Symptomatik: Das Gift verursacht stärkste Schmerzen, kardiale Ungleichgewichte (wie Bluthochdruck und Herzrasen) sowie schwere zentralnervöse Symptome (Muskelparalyse, Zittern, Atemstörungen). Nach einem Stich ist umgehend eine Giftnotrufzentrale bzw. ein Arzt zu kontaktieren.
  • Extreme Gefahr – Gift spritzen: Eine besondere Eigenschaft dieser Art ist es, dass sie bei extremer Reizung in der Lage ist, ihr Gift aktiv zu verschleudern. Je nach Angabe kann das Gift 50 cm bis zu 1 Meter weit gesprüht werden, was eine direkte Gefahr für die Augen des Halters darstellt (Konjunktivitis bis Hornhautschädigung)!

Die hier aufgeführten Informationen basieren auf langjährigen Erfahrungswerten sowie sorgfältiger Recherche und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da jedes Tier und jede Haltung individuell ist, dienen diese Inhalte als Orientierungshilfe. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann jedoch nicht übernommen werden. Die Umsetzung der Tipps erfolgt stets in Eigenverantwortung des Halters.
Mein Dank geht an  Sascha Krämer aka Jacky071 für die Mitwirkung an diesem Haltungsbericht.

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