Allgemeiner Haltungsbericht: Teruelius Lowe & Kovařík, 2019 (ex Grosphus)
Die Gattung Teruelius gehört zur Familie der Buthidae und umfasst einige der faszinierendsten und farbenprächtigsten Skorpione der Insel Madagaskar. Bis zu einer umfassenden taxonomischen Revision durch Lowe und Kovařík im Jahr 2019 wurden diese Tiere fast ein Jahrhundert lang unter der Gattung Grosphus Simon, 1880 geführt. Da sich der alte Name in der Terraristik stark eingeprägt hat, findet man sie auf Börsen oder in älterer Literatur oft noch als Grosphus. Wer sich für einen Vertreter dieser Gattung entscheidet, holt sich ein äußerst agiles, optisch beeindruckendes Tier aus den rauen, trockenen Habitaten Madagaskars ins Terrarium.
Bekannte Arten der Gattung im Hobby
Das Verbreitungsgebiet der Gattung erstreckt sich primär über das südliche Afrika (darunter Südafrika, Namibia, Botswana und Simbabwe).
Dort leben sie streng lithophil (felsbewohnend) in extrem trockenen, ariden bis semi-ariden Savannen und Halbwüsten. Sie besiedeln sogenannte „Koppies“ (isolierte Felsformationen) und verbringen fast ihr gesamtes Leben in hauchdünnen Spalten zwischen massiven Gesteinsblöcken. Der Fels dient ihnen als Festung gegen Fressfeinde und als thermischer Puffer gegen die gleißende Hitze des Tages und die Kälte der Nacht.
Herkunft und natürlicher Lebensraum
Die gesamte Gattung Teruelius ist endemisch auf Madagaskar beheimatet, kommt also nirgendwo sonst auf der Welt natürlich vor.
Die meisten Arten besiedeln den trockenen Süden und Südwesten der Insel. Sie sind typische Bewohner der madagassischen Dornwälder (Spiny Forests), extrem trockener Strauchsavannen und Halbwüsten. Sie leben strikt terrestrisch (bodenbewohnend). Um der sengenden Mittagshitze zu entgehen, graben sie sich kurze Höhlen in das harte Erdreich, verstecken sich unter umgestürzten Baustämmen, großen Rindenstücken oder nutzen natürliche Bodenspalten.
Merkmale und Erscheinungsbild
- Größe: Je nach Art variiert die Körperlänge beträchtlich. Während kleinere Vertreter um die 4 bis 5 cm messen, erreichen große Arten wie Teruelius grandidieri eine stattliche Länge von bis zu 9 cm.
- Körperbau: Als klassische Buthiden besitzen sie vergleichsweise schmale, pinzettenartige Scherenhände (Pedipalpen) und ein kräftiges, markantes Metasoma (Schwanz).
- Temperament: Sie gelten als flinke Läufer und reaktionsschnelle Jäger, die bei Störung nicht zögern, eine wehrhafte Drohhaltung einzunehmen.
Haltung im Terrarium
Ein horizontales Steppen- oder Trockenwaldterrarium bildet das Habitat dieser madagassischen Endemiten ideal ab.
- Terrariengröße: Für ein adultes Einzeltier der größeren Arten ist ein Standard-Terrarium mit den Maßen 30 x 30 x 30 cm hervorragend geeignet. Kleinere Vertreter begnügen sich mit einer Grundfläche von 20 x 20 cm.
- Bodengrund: Zwingend erforderlich ist ein fest aushärtendes, aber grabfähiges Sand-Lehm-Gemisch mit einer Füllhöhe von ca. 5 bis 8 cm. Wichtig: Verwende niemals Kokoshumus oder lockere Blumenerde! Solche Substrate entsprechen absolut nicht den trockenen Heimatregionen der Tiere, führen zu schweren Häutungsproblemen und begünstigen tödliche Pilzinfektionen (Mykosen) am Bauchpanzer.
- Einrichtung: Die Oberfläche sollte mit flachen Steinen, dicken, gebogenen Korkrindenstücken und knorrigen Hölzern strukturiert werden. Die Verstecke müssen fest auf dem Terrarienboden (am besten direkt auf der Bodenplatte) aufliegen, damit sie nicht absacken, wenn der Skorpion darunter gräbt.
Klima (Temperatur & Feuchtigkeit)
Die Klimaparameter orientieren sich eng an den Halbwüsten und Trockensavannen Süd-Madagaskars.
- Temperatur: Tagsüber sind hohe Temperaturen von 28 °C bis 32 °C im Terrarium erforderlich. Ein durch einen Halogenspot bestrahlter Sonnenplatz (z. B. auf einer flachen Schieferplatte) darf gerne 35 °C erreichen. Nachts wird die Wärmequelle abgeschaltet, sodass eine natürliche Abkühlung auf Zimmertemperatur (ca. 20 °C bis 22 °C) erfolgt.
- Luftfeuchtigkeit: Das Terrarium wird grundsätzlich trocken bei 40–50 % rF gehalten. Es ist jedoch essenziell, etwa einmal wöchentlich das Substrat unter oder neben einem der Hauptverstecke ganz leicht anzufeuchten. Das simuliert die Restfeuchtigkeit im tiefen Erdreich. Eine sehr kleine, flache Trinkschale rundet die Wasserversorgung ab.
Verhalten und Ernährung
- Aktivität: Alle Teruelius-Arten sind strikt nachtaktiv. Sobald es im Terrarium dunkel wird, beginnen sie mit ausgedehnten Streifzügen. Sie sollten aus Sicherheitsgründen und wegen möglicher Ausfälle durch Kannibalismus strikt einzeln gehalten werden.
- Ernährung: Die flinken Lauer- und Laufjäger haben einen guten Appetit und nehmen Insekten wie Grillen, Heuschrecken oder Schaben problemlos an. Eine Fütterung im Rhythmus von 7 bis 10 Tagen ist für adulte Tiere absolut ausreichend.
Giftigkeit
Als Mitglieder der Familie der Buthidae besitzen Vertreter der Gattung Teruelius ein potentes, medizinisch relevantes Gift. Ein Stich ist außerordentlich schmerzhaft, geht mit massiven lokalen Schwellungen einher und kann bei empfindlichen Personen das Herzkreislaufsystem belasten. Sie sind keine Skorpione für Anfänger! Die Abgabe erfolgt ausschließlich an Volljährige (ab 18 Jahren). Der direkte Kontakt mit dem Tier ist strengstens verboten; sämtliche Arbeiten im Terrarium erfolgen stets hochkonzentriert und ausnahmslos mit langen Pinzetten.
--> Haltungsbericht zu Teruelius grandidieri (Kraepelin, 1900) <--
--> Haltungsbericht zu <--
Die hier aufgeführten Informationen basieren auf langjährigen Erfahrungswerten sowie sorgfältiger Recherche und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da jedes Tier und jede Haltung individuell ist, dienen diese Inhalte als Orientierungshilfe. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann jedoch nicht übernommen werden. Die Umsetzung der Tipps erfolgt stets in Eigenverantwortung des Halters.