Pandinus sp.: Haltung & Wissenswertes über Riesenskorpione

Die Gattung Pandinus – Die sanften Riesen des tropischen Afrikas

Wenn man an Skorpione denkt, haben die meisten Menschen sofort das Bild eines imposanten, tiefschwarzen Tieres mit kräftigen Scheren vor Augen. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um einen Vertreter der Gattung Pandinus. Diese Skorpione gehören zur Familie der Scorpionidae und zählen zu den beliebtesten Pflegern in der Terraristik, was nicht zuletzt an ihrer beeindruckenden Größe und ihrem meist ruhigen Wesen liegt.

Die Systematik der afrikanischen Riesenskorpione wurde in den letzten Jahren gründlich auf den Kopf gestellt. Die wichtigste und umfassendste Revision der Gattung Pandinus (sensu lato) erfolgte im Jahr 2016 durch die beiden renommierten Arachnologen František Kovařík und Lorenzo Prendini.

Die Ergebnisse dieser groß angelegten Arbeit wurden in einer umfassenden Studie im Bulletin des American Museum of Natural History veröffentlicht ("Review of the Skorpion Fammily Scorpionidae. Latreille, 1802, with a Revision of the Subfamilies and Genera").

Hier ist die ungeschönte Wahrheit darüber, was sich dadurch für uns im Hobby geändert hat:

1. Zerschlagung der alten Großgattung Pandinus

Vor 2016 war Pandinus eine riesige Sammelgattung, in der fast alle großen afrikanischen Scorpionidae steckten. Kovařík und Prendini stellten fest, dass die genetischen und morphologischen Unterschiede viel zu groß waren. Sie haben die ehemaligen Untergattungen zu eigenständigen Gattungen erhoben.

Das bedeutet für die bekanntesten Arten:

Aus Pandinus cavimanus wurde Pandinuoides cavimanus (der Rotkrallenskorpion steht nun in einer eigenen Gattung).

Aus Pandinus dictator wurde Pandinopsis dictator.

Aus Pandinus viatoris wurde Pandinurus viatoris.

2. Was blieb in der Gattung Pandinus (stricto sensu) übrig?

Nur die Tiere, die der ursprünglichen Definition der Untergattung Pandinus (Thorell, 1876) entsprachen, blieben in der Gattung. Dazu gehören nach wie vor die absoluten Klassiker:

Pandinus imperator (Kaiserskorpion)

Pandinus gambiensis

Pandinus intermedius

Pandinus phillipsii

Pandinus smithii

3. Erstbeschreibungen und Validierungen (Kovařík, 2016–2020)

Neben dieser großen Zerschlagung gab es vor allem durch František Kovařík (teilweise mit Ko-Autoren) in den Jahren bis heute immer wieder kleinere taxonomische Updates, bei denen neue Arten beschrieben oder alte Artstatus validiert wurden. Insbesondere in den Gattungen Pandinurus und Pandiborellius (aus Somalia, Äthiopien, Eritrea) wurden über ein Dutzend neue Arten isoliert, die früher alle stumpf als "Pandinus spec." importiert worden wären.

Systematik und Verbreitung

Innerhalb der Gattung ist besonders die Untergattung Pandinus Thorell, 1876 für uns von Interesse. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über fast das gesamte tropische Afrika, wobei Gebiete in Zentralafrika sowie Kamerun und Gabun weitestgehend ausgenommen sind.

Die Tiere bewohnen dort vor allem die feuchten Waldböden der tropischen Regenwälder und Galeriewälder, wo sie tief im Boden vergrabene Gänge bewohnen oder unter verrottenden Baumstämmen Schutz suchen.

Arten der Untergattung Pandinus

In der Terraristik und Wissenschaft sind vor allem folgende Arten dieser Untergattung bekannt:

  • Pandinus imperator: Der Kaiser-Skorpion ist der wohl bekannteste Skorpion überhaupt. Er besticht durch seine enorme Größe und die körnige Struktur seiner Scheren.
  • Pandinus gambiensis: Eine sehr große Art aus Westafrika (Gambia, Senegal), die dem Imperator ähnelt, aber oft noch massiger wirkt.
  • Pandinus intermedius: Wie der Name vermuten lässt, steht diese Art morphologisch zwischen anderen Vertretern und ist in Ostafrika beheimatet.
  • Pandinus phillipsii: Ein interessanter Vertreter aus dem nordöstlichen Afrika (z. B. Somalia und Äthiopien).
  • Pandinus smithii: Ebenfalls im östlichen Afrika verbreitet, ist diese Art seltener in den Hobby-Beständen anzutreffen, aber für Spezialisten aufgrund ihrer Herkunft sehr reizvoll.

Haltung im Terrarium

Platzbedarf und Sozialverhalten

Da viele Pandinus-Arten, insbesondere der P. imperator, eine beachtliche Größe von bis zu 20 cm erreichen können, muss das Terrarium entsprechend dimensioniert sein.

  • Einzelhaltung: Für ein adultes Tier ist ein Becken ab 40 x 40 x 30 cm geeignet.
  • Gruppenhaltung: Ein großer Vorteil dieser Gattung ist die gute Verträglichkeit. Bei ausreichend Platz (z. B. 80 x 40 cm Grundfläche für eine kleine Gruppe) und einem Überangebot an Verstecken können diese Tiere sehr gut zusammen gepflegt werden.

Einrichtung und Bodengrund

Da die Tiere leidenschaftliche Gräber sind, ist der Bodengrund das Herzstück des Terrariums.

  • Substrat: Ein Gemisch aus Waldhumus, Terrarienerde und etwas Moos ist ideal. Der Boden sollte mindestens 15 cm hoch eingefüllt und leicht festgedrückt werden, damit gegrabene Gänge stabil bleiben.
  • Dekoration: Korkstücke, Wurzeln und flache Rinden dienen als Startpunkt für eigene Höhlen. Echte Pflanzen (z. B. Farne oder Ficus-Arten) fördern das feuchte Klima.
  • Wasserschale: Eine flache Wasserschale ist ein Muss, da Pandinus-Arten regelmäßig trinken.

Klima (Temperatur und Luftfeuchtigkeit)

Wir bilden das Klima des tropischen Afrikas nach:

  • Temperatur: Tagsüber sind 26 °C bis 28 °C ideal, mit einem lokalen Wärmepunkt von ca. 30 °C. Nachts sollte die Temperatur auf etwa 20–22 °C sinken.
  • Luftfeuchtigkeit: Diese sollte konstant hoch sein (ca. 70–80 %). Tägliches Sprühen oder eine automatische Beregnungsanlage helfen dabei. Achte jedoch darauf, dass der Boden feucht, aber nicht "sumpfig" ist.

Fütterung

Pandinus-Arten sind keine Lauerjäger, sondern nutzen ihre kräftigen Pedipalpen (Scheren), um Beute aktiv zu überwältigen. Oft setzen sie ihren Stachel gar nicht ein.

Nahrung: Schaben, Grillen, Heimchen und gelegentlich Heuschrecken.

Besonderheit: Hinsichtlich der Fütterungsfrequenz gilt: Eine erhöhte Nährstoffzufuhr ist primär bei juvenilen Tieren sowie graviden Weibchen sicherzustellen. Im adulten Stadium ist ein Rhythmus von circa 10 Tagen ideal. Bemerkenswert ist die enorme Ausdauer dieser Tiere: Fresspausen, die sich über mehrere Monate erstrecken können, sind physiologisch unbedenklich und kommen regelmäßig vor.

Wichtige Hinweise: Artenschutz und Sicherheit

Ein ganz wesentlicher Punkt bei der Gattung Pandinus (insbesondere bei P. imperator, P. gambiensis und P. roeseli) ist der Artenschutz. Diese Tiere unterliegen dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES / Anhang B). Beim Kauf musst du zwingend auf einen entsprechenden Herkunftsnachweis achten.

Giftigkeit: Das Gift der meisten Pandinus-Arten gilt als schwach und ist in etwa mit einem Wespenstich vergleichbar. Dennoch können die kräftigen Scheren schmerzhaft zupacken. Ein respektvoller Umgang bleibt also oberstes Gebot.

Die hier aufgeführten Informationen basieren auf langjährigen Erfahrungswerten sowie sorgfältiger Recherche und wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Da jedes Tier und jede Haltung individuell ist, dienen diese Inhalte als Orientierungshilfe. Eine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte kann jedoch nicht übernommen werden. Die Umsetzung der Tipps erfolgt stets in Eigenverantwortung des Halters.

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